Stress-Prävention: Kleine Aha-Erlebnisse mit großem Effekt

Kleiner Hebel – große Wirkung

Kleiner Hebel – große Wirkung

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie Mini-Interventionen? Das Wort beschreibt, was jeder schon einmal erlebt hat: Manchmal hat ein einziger Aha-Moment die Kraft, unser gesamtes Denken zu verändern. Mir erging es beispielsweise so, als ich mich fragte, warum mich Anrufe manchmal so stressen. Manchmal bekam ich richtiggehend Herzklopfen, wenn der Apparat klingelte, ohne zu ahnen, wer dran ist. Natürlich kommen Anrufe manchmal ungelegen oder der Anrufer ist fordernd. Aber damit kann man doch umgehen, oder?
So dachte ich.

Doch dann machte ich eine Übung. In der sollte man erkunden, woher die inneren Überzeugungen kommen, die man rund um die Arbeit so im Kopf hat. Man sollte Sätze vervollständigen wie „Wer viel arbeitet, ist …” oder „In meinem Elternhaus sagte man über Arbeit …“ Dabei wurde mir klar, dass ich den Arbeitsethos meiner Eltern ohne zu hinterfragen übernommen hatte – allerdings waren sie Ärzte und in ihrer Arbeit ging es nicht selten um Leben und Tod. Wenn das Telefon klingelte, zeigte dies üblicherweise einen Notfall in der Klinik an …

Als mir das klar wurde, konnte ich mich zum ersten Mal fragen, welcher Umgang mit Anrufen, Unterbrechungen und Erreichbarkeit denn in meinem Beruf angemessen und sinnvoll ist. Und ich kam zu dem Schluss: Für mich ist es – im Gegensatz zum Arzt – nicht so wichtig, ständig erreichbar zu sein. Viel wichtiger ist es, Telefongespräche konzentriert und in Ruhe zu führen. Denn die Inhalte dieser Gespräche sind die Grundlage meiner Arbeit. Seitdem bekomme ich kein Herzklopfen mehr, wenn das Telefon läutet. Und ich kann es sogar mal klingeln lassen, wenn ich in einer Arbeit vertieft bin – und rufe zeitnah zurück. Schließlich will der Anrufer meine volle Aufmerksamkeit und keine Not-OP.

Woher kommen Ihre Überzeugungen rund um Ihren Arbeitsstil? Machen sie Ihnen das Arbeiten leichter oder schwerer?

Folgende Fragen helfen Ihnen auf die Spur:

„Gute Arbeit ist …“

„Arbeit ist kein …“

„In meinem Elternhaus sagte man über Arbeit …“

An Ihren Antworten erkennen Sie Ihre Prägungen. Haben Sie den Mut und verabschieden Sie sich von denen, die Ihnen nicht gut tun. Vor allem wenn wir älter werden und schon lange in die immer wieder gleichen Stressfallen tappen, sind diese Prägungen nicht selten unsere größten Stresstreiber. Wer sie erkennt, kann mit wenig Aufwand sehr viel für sein inneres Gleichgewicht tun. Mein Telefon stresst mich zumindest nicht mehr.

Herzliche Grüße.

Ihre Carola Kleinschmidt