Das ehrliche Interview: “Meine Mitarbeiter sollen auch persönlich wachsen können.”

Tilo Maria Pfefferkorn ist ein Unternehmer, der mehr möchte als Geld verdienen. Sein Unternehmen vermietet Büro- und Konferenzräume (www.ecos-office.com/hamburg), und er ist seit mehr als 30 Jahren damit erfolgreich. Aber Tilo Maria Pfefferkorn möchte darüber hinaus eine Firma haben, in der er und seine Mitarbeiter auch persönlich wachsen. Die Inspiration zu dieser eher ungewöhnlichen Haltung eines Unternehmers fand er in dem Bestseller Big Five for Life von John Strelecky.  In diesem Buch fühlt der Leser, dass es letztlich darauf ankommt, seine ganz persönlichen Werte und Herzenswünsche – Strelecky nennt diese die “Big Five for Life” – zu kennen und umzusetzen. Dann führt man ein intensives und für einen persönlich erfolgreiches Leben. Ein erster Schritt ist, herauszufinden, welche fünf Herzenswünsche im Leben man wirklich unbedingt erreichen möchte.

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Tilo, Du hast Deine Firmenkultur nach dem Prinzip „Big five for Life“ umgestellt. Was heißt das denn?

Tilo Maria Pfefferkorn: Zum Beispiel, dass ich meine Mitarbeiter richtiggehend dazu auffordere, noch andere Interessen neben dem Beruf zu haben, sich mit ihren Big Five zu beschäftigen und sie zu verwirklichen. Meine Mitarbeiter dürfen sich ein Sabbatical nehmen oder in Teilzeit arbeiten. Denn ich finde es wichtig, dass sie sich den Raum nehmen, um ihre Träume, ich benutze gerne den Begriff Herzenswünsche, zu verwirklichen. Ich bin fest davon überzeugt, dass solche Mitarbeiter auch besser, eigenverantwortlicher und leichter arbeiten können. Ich habe sogar in den Arbeitsverträgen verankert, dass jeder ab und an ein Buch liest und mich wissen lässt wenn er das Gefühl hat nicht mehr an seinem Arbeitsplatz wachsen zu können. Das war mir wichtig.

Und, hat das geklappt? Sind die Mitarbeiter glücklich?

Tilo: Ehrlich gesagt. Nicht alle. Ich habe mich gewundert, dass die Begeisterung für meine Führungsideen bei einigen gut ankam. Aber bei anderen eben nicht. Sie fühlten sich bevormundet. Deshalb sprach ich mit einem Coach. Und sie fragte mich: Wo sind denn Ihre Big five for life? Wovon träumen Sie? Was möchten Sie noch erreichen? Da ist der Knoten geplatzt. Bis dahin dachte ich immer, ich möchte ein guter Arbeitgeber sein, der seinen Mitarbeitern auch persönliche Entwicklung ermöglicht – aber dass das nur authentisch funktioniert, wenn ich mich selbst auch weiter entwickle und meine „Big Five“ kenne und verwirkliche, das hatte ich nicht wirklich bedacht.

Und dann?

Tilo: Ich habe meine Big five for life herausgearbeitet und lebe jetzt viel intensiver. Und ich habe aufgehört zu erwarten, dass ich Andere verändere. Jetzt ist es eher so: Hier arbeiten fast nur noch Mitarbeiter, die diese Freiheiten und Eigenverantwortung genießen. Die anderen halte ich nicht fest.

Und was sind Deine  Big five?

Tilo: Einer meiner Träume ist es die schönsten Bergregionen der Welt zu durchwandern. Ich bin mit meinem jüngsten Sohn von München nach Venedig quer durch die Alpen gewandert und im letzten Jahr in 46 Tagen vom Mittelmeer quer durch die Pyrenäen zum Atlantik. Im Moment gehe zwei Mal in der Woche in der Mittagspause zur Tanzstunde. Das ist eine tolle Erfahrung. Ich lerne Führung aus einer sehr direkten und körperlich fühlbaren Sicht kennen. Neurobiologie am eigenen Leib erfahren.

Hat das Leben mit den „Big Five“ auch verändert, wie Du mit Stress und Belastung umgehst?

Tilo: Ja! Stress war früher für mich völlig normal. Heute spüre ich, wenn ich gestresst bin – und sehe es als Signal, das mir zeigt: Hier bist Du nicht im Fluss. Warum? Was oder wem musst Du gerade etwas beweisen? Tilo was willst Du wirklich?