Stress sabotiert die Führungsfähigkeit

20110123-IMG_2968-2Manchmal, wenn ich einen Vortrag für Führungskräfte zum Thema “Stress und psychische Gesundheit” halte, meldet sich nach 10 Minuten eine Führungskraft zu Wort und sagt: “Sie reden hier so viel davon, was der Stress mit uns persönlich macht. Aber das interessiert mich doch gar nicht. Ich möchte doch von Ihnen erfahren, wie ich meinen Mitarbeitern den Stress vom Leibe halten kann.” Und dann sage ich den Führungskräften, dass die 1. Anti-Stress-Maßnahme für Führungskräfte ist, auf ihren eigenen Stress-Pegel zu achten und aktiv für eine gute Balance und einen tragbaren Stress-Pegel zu sorgen. Denn nur, wer relativ gelassen und in Balance ist, kann gut führen.

Manche im Publikum verstehen sofort, was ich meine – andere schauen völlig überrascht. Was hat denn die Führungsqualität mit dem Stresspegel der Führungskraft zu tun?

Viel.

Denn was macht eine gute Führungskraft aus? Zum Beispiel: Dass sie Prioritäten setzen kann, auch, wenn es hektisch wird. Dass sie lösungsorientiert denkt und das große Ganze im Blick behält und sich nicht in Detailfragen verzettelt. Dass sie klar kommunizieren kann und konstruktiv Feedback gibt – auch bei Fehlern. Dass sie es schafft, die Meinung der Mitarbeiter in Entscheidungen mit einzubeziehen. Dass sie ihre Mitarbeiter kennt und weiß, was jeder am besten kann. Dass sie im rechten Moment anerkennende Worte und Gesten parat hat, die Mitarbeiter motivieren und stärken, wenn es schwierig wird.

Aber:

All diese positiven Führungseigenschaften reduzieren sich bzw. verschwinden ganz, wenn ein Mensch unter Stress steht. Denn für gestresste Menschen gilt: Unter Stress ist man im Zustand “Kämpfen oder Fliehen” und völlig auf die schnelle Lösung von Problemen fixiert. Andere Meinungen, Ablenkungen – all das stört. Den Blick für das große Ganze? Klappt nicht. Mitarbeiter loben? Dafür haben Gestresste wirklich keine Zeit! Meist sehen sie noch nicht einmal, was die anderen leisten.

Kennen Sie dieses Verhalten von Ihrer Führungskraft? Oder erkennen Sie sich selbst ein Stück weit wieder?

Genau deshalb sabotiert Stress die Führungsqualität. Und genau deshalb gilt für Führungskräfte in Bezug auf Stress, das gleiche, was einem auch im Flugzeug für Gefahrensituationen geraten wird: Bei Gefahr, wenn die Sauerstoffmasken aus der Luke über dem Sitz fallen – erst sich selbst die Maske aufsetzen und für klare Sinne und gute Sauerstoffversorgung sorgen. Nur so kann man dem Sitznachbarn wirklich helfen.

Was sind Ihre Erfahrungen?

Herzliche Grüße

Carola Kleinschmidt